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HAPPY NEW YEAR ODER,— WAS UNSCHARF BLEIBT

HAPPY NEW YEAR ODER,— WAS UNSCHARF BLEIBT

3 Minuten Lesezeit,— eine präzise Unschärfe.

Vorwort

Dort wo Gedanken sich zu Mustern verdichten, entstehen dynamische Räume, in denen uralte Linien verlaufen. Sie existieren unzählbare unserer Jahresbezeichnungen länger, als der Moment ihres langsam durch uns vernommen Werdens. Aus, für uns noch oftmals unsichtbaren Verbindungen dieser Linien wiederum entfaltet sich etwas, was ich romantische Unschärfe nennen möchte.

Zur romantischen Unschärfe

In diesen Tagen, in denen etwas endet und etwas anderes beginnt, zeigt sich ein vertrautes Muster: ein Übergang, der jedes Jahr ähnlich wirkt und doch nie derselbe ist. Genau in dieser Spannung zwischen Wiederholung und Variation entsteht das, was ich romantische Unschärfe nenne – die Fähigkeit, unfassbare Ähnlichkeiten zu erkennen, sobald man die Erwartung vollständiger Entsprechung ablegt.

Systeme – biologische, soziale, mentale wiederholen ihre Muster auf vielen Ebenen. Wer sie erkennt, sieht nicht nur Formen, sondern Zusammenhänge. Die Welt schreibt sich selbst fort – manchmal sichtbar in einem Moment schwebender Leichtigkeit, wenn ein geworfenes Tuch zeigt, wie minimale Veränderungen scheinbar neue Gestalten hervorbringen:

Objekt, Wesen, Bewegung, und doch nur Ausdruck desselben tragenden Systems.

Romantische Unschärfe erlaubt uns, im Verschobenen das Gemeinsame zu erkennen, ohne die Unterschiede zu unterschlagen. Wer das nutzt, bewegt sich wie ein Grenzgänger zwischen Ordnung und Möglichkeit. Kleine Eingriffe können große Wirkungen entfalten; ein minimaler Versatz verändert die gesamte Komposition. Vielleicht, weil selbst kleinste Abweichungen in unterschiedlichen Systemen neue Erscheinungen erzeugen, ohne dass das zugrunde liegende Prinzip sich ändert – so wie Licht, das erst durch Ausrichtung seine Kraft bündelt: dieselben Wellen, aber in einer Form, die alles verändert. Vielleicht sind wir nicht nur Teil eines Musters, das wir erkennen. 

Vielleicht sind wir der Moment und sein Werkzeug, mit dem es sich aus sich selbst heraus verändert.

Verantwortung bedeutet Bewusstsein. Wir sind nicht nur Linien in dieser Komposition, wir werden gerade zur Hand, die das Muster fühlt und aus dieser gefühlten wie verstandenen Erkenntnis heraus Linien setzt. Linien die Verbinden und ebenso solche, die [uns] trennen. Große Macht entsteht aus Präzision. Und sie wirkt in beide Richtungen, Vielleicht ist genau das die verborgene Mechanik des Entstehens: dass einige Muster nicht bedeutungslos sind, sondern sich nach festen Prinzipien wandeln können – teils sehr unterschiedlich, und doch,— mit dem Blickwinkel romantischer Unschärfe betrachtet,— kristallklar einem einenden Uhrwerk folgend. Sobald wir dessen Regeln erkennen, können wir selbst eingreifen: verstärkend oder störend, bewahrend oder verändernd. Auch hier hilft romantische Unschärfe: Sie verhindert, dass wir das System für starr halten, und zeigt, dass Veränderung nicht Chaos bedeutet, sondern Variation innerhalb eines bereits vorhandenen Rahmens.

Intelligenz ist die einzige Kraft im System, die das Muster nicht nur erkennt, sondern bewusst zurückwirken kann – als Bewahrer oder als Bruch.

Und vielleicht liegt genau darin der stille Wert dieser Tage: Dass wir im Übergang, der jedes Jahr ähnlich wirkt und doch nie derselbe ist, erkennen können, was romantische Unschärfe wirklich bedeutet_

Ein Blick, der die Mechanik hinter den Dingen sucht, universale Prinzipien, die wirken, ob wir sie nun zum Aufbau oder doch zum Bruch nutzen.

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FLOWNECTOR: Christian Dierselhuis

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